Kanzleigründung und was dies bedeutet


26. April 2017 in von Michael Gottron

Kanzleigründung und sich als Anwalt selbstständig machen?

Diese Frage haben sich sicherlich viele Juristen schon gestellt!

Die Top Noten die man benötigt, um in einer Großkanzlei unterzukommen, erreichen ja nur ein Bruchteil der angehenden Juristen.

Wenn man sich als Anwalt selbstständig machen möchte muss man sich im Klaren darüber sein, dass die erste Zeit sicherlich nicht einfach wird. Man muss die Kosten der Kanzleigründung bezahlen, hat aber noch keine Mandate.

Die Kosten einer Kanzleigründung können schnell auf mehr als 10.000€ hochgehen.

Man sollte auch wissen, dass laut einer IFB-Studie die durchschnittlichen Monatsumsätze im ersten Jahr bei rund 1.600€ liegen und der Gewinn bei 400€ im Monat. Insofern ist es zumindest am Anfang oft notwendig noch ein zweites Standbein zu haben

 

Monatliche Fixkosten

Als monatlichen Fixkosten sind die Büromiete, Versicherungen, Rechtsanwaltsversorgung, und die Kammermitgliedschaft zu bezahlen.

Den Teil der Büromiete kann man sicherlich zumindest am Anfang niedrig halten, indem man vom Homeoffice aus arbeitet oder in eine Bürogemeinschaft mit anderen Anwälten bzw. mit anderen Selbstständigen zieht.

Eine andere Alternative sind Coworking Spaces, die es mittlerweile in vielen großen Städten gibt. Hierbei mietet man sich einen Arbeitsplatz auf Zeit und man hat auch oft die Möglichkeit sich stundenweise einen Raum für Meetings zu reservieren.

Auf diese Art und Weise ist zumindest der Punkt der monatlichen Fixkosten niedriger. Man kann dadurch auch die Kosten für Internet oder einem möglichen Sekretariatsservice innerhalb der Bürogemeinschaft aufteilen.

Ein virtuelles Anwaltssekretariat ist sehr zu empfehlen, da man dieses je nach Bedarf nutzen kann und somit keine hohen fixen Kosten für eine Sekretärin hat.

Eine eigene Sekretärin direkt nach der Gründung einer Kanzlei voll zu beschäftigen ist sicherlich auch nur schwerlich möglich.

 

Variable monatliche Kosten

Dem gegenüber stehen die variablen Kosten, die vor allem entstehen, um an neue Mandate zu kommen. Dafür ist es heutzutage unerlässlich einen professionellen Auftritt im Internet mit einer gut strukturierten Webseite zu haben.

Leider ist es aber so, dass es nicht einfach ist Besucher auf die eigene Webseite zu „locken“. Deswegen ist es notwendig, Online Marketing zu betreiben.

Dies kann man über aktives Bewerben auf Suchmaschinen machen oder über das große Angebot an Webseiten die auf  die Auflistung von Anwälten spezialisiert sind.

Mehr Details zu Anwaltsportalen unter folgendem Beitrag.

 

Alternative zur Kanzleigründung

Eine klassische Möglichkeit bietet die Tätigkeit als Partner in einer Sozietät. In solch einem Fall teilt man nicht nur die Büroräume sondern auch den Kundenstamm.

Dies findet meist unter dem Gerüst einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) statt.

Kritisch ist immer das Thema der Haftung, da das Mandat eines Rechtsanwalts immer gleichzeitig das Mandat aller Rechtsanwälte in der Sozietät ist und somit eine gemeinsame Haftung besteht.

Die Haftung aller Mitglieder der Sozietät orientiert sich hierbei an den Regelungen der GbR, womit auch im Extremfall das Privatvermögen angetastet werden muss.

Wenn man die gemeinschaftliche Haftung ausschließen möchte ist es ratsam, wie am Anfang schon angesprochen, mit anderen Anwälten nur eine Bürogemeinschaft zu bilden. Der Zusatz der Bürogemeinschaft muss dann aber auch im Briefkopf zu finden sein.

 

Vorbereitung auf die Selbstständigkeit

Wenn man sich als Anwalt selbstständig machen will, muss man sich darüber im Klaren sein, das man nicht nur als Anwalt tätig ist. Man muss auch unternehmerische Fähigkeiten mitbringen.

Institutionen wie die IHK bieten Existenzgründerkurse an, wobei diese allgemein gehalten sind und nicht speziell auf Juristen zugeschnitten sind.

„Das Jurastudium bereitet einen auf 50% der Aufgaben vor, die anderen 50% sind organisatorische sowie betriebswirtschaftliche Aufgaben die man als selbstständiger Anwalt bewältigen muss“, gemäß der Erfahrung einer Anwältin.

Spaß am Unternehmertum ist eine wichtige Voraussetzung und man sollte auch wissen wie die Zielgruppe der potentiellen Kunden bzw. Mandanten tickt, um zu wissen, wie diese geschickt erreicht werden können.

 

Fazit:

Da das Arbeitspensum in den ersten Jahren nach einer Kanzleigründung aller Wahrscheinlichkeit nach sehr hoch sein wird und das Einkommen eher niedrig, muss man zumindest am Anfang die Zähne zusammenbeißen und versuchen durchzuhalten.

Wenn die ersten Jahre durchstanden sind, kann man anfangen, das Dasein als selbstständiger Anwalt zu genießen.

Freie Zeiteinteilung sowie kein Chef den man aushalten muss sind neben dem Gefühl das man es alleine geschafft hat, sich sein Gehalt zu erarbeiten, sehr befriedigende Faktoren. Dafür lohnt es sich, zumindest am Anfang, viel zu investieren.

Foto: Helloquence; unsplash.com

 

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5 thoughts on “Kanzleigründung und was dies bedeutet”

  1. Apple_Iphone says:

    Das ist ja mal ein informativer, sorgfältig mit Liebe zum Detail geschriebener Artikel. Vielen Dank! 🙂

  2. Mia says:

    Ein Bekannter studiert Jura uns will später eine Kanzlei eröffnen. Als Selbständiger Rechtsanwalt ist ein Büro in der Cloud vermutlich und vor allem zu Anfang eine sparsame Anfangslösung. Diesen Artikel werde ich ihm ans Herz legen.

    1. Michael Gottron says:

      Hallo Mia, gerne. Wenn er Unterstützung benötigt, einfach melden. Schönen Gruß, Michael

  3. Lucie Maier says:

    Ein Freund von mir überlegt, sich als Rechtsanwalt für Erbrecht selbstständig zu machen. Gut zu wissen, dass die Kosten für eine Kanzleigründung schnell mehr als 10.000 Euro betragen können. Ich werde meinem Freund raten, anfangs auf ein zweites Standbein zu setzen, da die Gewinne pro Monat im ersten Jahr nur bei etwa 400 Euro liegen und das nicht ausreichen wird, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren.

  4. Adalyn Lange says:

    4. Vielen Dank für den aufschlussreichen Artikel zum Thema Kanzleigründung und was dies bedeutet. So wie bei vielen Rechtsfragen ist es auch hier ratsam sich an einen Fachmann zu wenden. Dieser kann dann Fragen beantworten und beraten.

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