Der Urlaub steht an. Was macht Ihre Erreichbarkeit?


28. Juli 2016 in von Michael Gottron
Frau am Strand hebt die Arme in die Höhe.

Was aber ist, wenn Kollegen oder der Chef in der Urlaubszeit Fragen haben? Darf man als Arbeitnehmer im Urlaub nicht erreichbar sein, regelt da der Arbeitsvertrag etwas? Wie sieht es aus mit der ständigen Erreichbarkeit?

Im Urlaub erreichbar sein zu müssen klingt doch eigentlich erst einmal ziemlich abwegig. Leider ist dies heutzutage bei unserer ständigen Erreichbarkeit per E-Mail oder Handy garnicht mal mehr so außergewöhnlich. Muss man im Urlaub erreichbar sein?

Erreichbarkeit im Urlaub: Was sagt der Arbeitsvertrag dazu?

Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte man lieber einen Blick in seinen Arbeitsvertrag werfen, ob es zum Punkt Erreichbarkeit eine Regelung im Vertrag gibt. Findet sich tatsächlich eine Regelung, die die Erreichbarkeit im Urlaub gebietet, muss man genau hinschauen. Auch hier gilt: Nicht jede Regelung, die eine Erreichbarkeit im Urlaub vorsieht, ist auch zulässig. Grundsätzlich dient der Urlaub der Erholung und Wiederherstellung der Arbeitskraft und damit letztendlich dem Gesundheitsschutz.

Der Normalfall: Im Urlaub Erholung statt Erreichbarkeit

Der nach dem Bundesurlaubsgesetz zustehende gesetzliche Mindesturlaub von vier Wochen muss daher in jedem Fall arbeitsfrei bleiben. Das Gesetz verpflichtet den Arbeitgeber, den bei ihm beschäftigten Arbeitnehmer für mindestens vier Wochen von der Verpflichtung zur Arbeitsleistung freizustellen. Dies soll ihm die Gelegenheit zur selbst bestimmten Erholung geben. Anderweitige vertragliche Vereinbarungen wären somit unwirksam. Was gilt also in Bezug auf die Pflicht das Diensthandy anzulassen? Es würde dem Urlaubszweck widersprechen, wenn sich der Mitarbeiter durch mögliche Anrufe im Urlaub gestört fühlt. Im Normalfall darf das Handy im Urlaub also ausgeschaltet bleiben. Das gleiche gilt für Emails oder Kurznachrichten, die darf man ignorieren. Erreichbarkeit darf nur verlangt werden, wenn Rufbereitschaft besteht. 

Was gilt hierbei für Manager?

Für Führungskräfte gilt grundsätzlich rechtlich nichts anderes. Sie sind aber in Absprache mit dem Unternehmen zu einem großen Teil freiwillig für dringende Notfälle erreichbar. Gemäß einer Studie waren 58% der Führungskräfte im Urlaub erreichbar.  Noch mehr als bei Arbeitnehmern steht es in ihrem eigenen Interesse, dass die Geschäfte auch während ihrer Abwesenheit gut laufen. Wenn die Arbeit im Urlaub überraschend überhand nimmt, gibt es die Möglichkeit, die Tage im Nachhinein nicht als Urlaub, sondern als Arbeitszeit zu erklären. Sinnvoll ist es hier Protokoll über die getätigte Arbeitszeit zu führen und frühzeitig nach der Rückkehr zu klären, wie damit umgegangen werden soll. Wenn klare Absprachen getroffen wurden, kann man dann den Urlaub besser zu anderer Zeit entspannt genießen.

Kündigung wegen mangelnder Erreichbarkeit ist zweifelhaft

Selbst wer Anrufe verweigert, muss aber keine Sorge haben, dass ihn nach seiner Urlaubsrückkehr eine Kündigung erwartet. Dem Arbeitnehmer müsse ein Verstoß gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten vorgeworfen werden. Die müßte mit dem Hinweis verbunden sein, dass im Wiederholungsfall mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu rechnen ist. Inwiefern eine solche Abmahnung bei Nichterreichbarkeit im Urlaub überhaupt berechtigt wäre, lässt sich im Streitfall vor den Arbeitsgerichten klären. Und an der Rechtmäßigkeit einer solchen Abmahnung bestehen selbst bei Managern durchaus große Zweifel.

Wie sieht dies bei Selbstständigen aus?

Bei Selbstständigen sieht das Ganze natürlich wieder vollkommen anders aus. Ärzte zum Beispiel machen ihre Praxis zu und verweisen auf ihre Vertretung.

Auf eine Vertretung verweisen ist bei einem Anwalt da natürlich schon schwieriger, da er die Interessen eines Klienten vertritt und sich da nicht mal eben schnell ein Dritter einarbeiten kann.

Insofern ist es bei Anwälten, wie bei anderen Selbstständigen natürlich auch so, dass Sie entweder den richtigen Zeitpunkt für eine Sommerpause wählen oder zumindest ihre Erreichbarkeit gewährleistet haben müssen.

Dafür gibt es Anbieter, die im Namen des Selbstständigen ans Telefon gehen können und so zumindest die Information des Kunden oder Klienten weitergeben können. Auf diese Art und Weise ist der Anwalt oder Selbstständige sicher, keine wichtigen Anrufe oder Informationen zu verpassen.

Somit kann dann auch ein Selbstständiger, zumindest eine kurze Auszeit nehmen, um den Sommer zu genießen und ein wenig abzuschalten.

 

 

 

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